Global Bass Online                                                                           July 2001

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Adrian Davison in German

 

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Adrian Davidson...

 

... ist nicht tot! 

Innerhalb relativ kurzer Zeit hat Adrian Davison das Interesse von vielen Leuten geweckt und ihre Ohren geoeffnet. Scheinbar aus dem Nichts tauchte der junge Bassist auf und fand sich bald inmitten der weltbesten Bassisten wieder. Nach vier Alben, von denen jedes ausgereifter war, jedes seinen Ruf als ernsthaft zur Kenntnis zu nehmender Musiker festigte, nach massiver Fernsehpraesenz, nach Lehr-Workshops und zahlreichen Ausruestungs-Workshops, ist er ploetzlich einfach verschwunden. 

Das war 1995. 

Von Zeit zu Zeit erhielt dieses Magazin Anfragen, wo Adrian verblieben sei. Auch der Autor selbst hat 'Nachforschungen' getaetigt, aber jeder Hinweis fuehrte nirgendwo hin. Dann, eines Tages, aus dem Nichts, kam ein email. Es war von Adrian selbst. 

Kurz und buendig hiess es darin zuerst, egal was fuer Geruechte im Umlauf seien, er lebe noch und es gehe ihm gut. Er wollte die Leute wissen lassen, dass obwohl einige Jahre vergangen waren, seit er als Kuenstler in aller Munde war, er noch immer Exemplare aller seiner vier Alben habe, die erhaeltlich seien, falls es die Leute interessiert. 

Natuerlich hatte ich einige Fragen an Adrian. Ich hatte Geruechte aus diversen 'glaubhaften Quellen' gehoert, er habe alles verloren, oder vielleicht einfach aufgegeben. Tatsaechlich hatte ich vor etwa 3 oder 4 Jahren in einem kanadischen Musikgeschaeft einen LADO Custom Bass haengen gesehen, bei dem auf dem 24. Bund 'Adrian Davison' eingraviert war. Der Ladenbesitzer erzaehlte mir, dass Adrian in einer erbitterten Scheidung alles verloren habe, aber ich bezweifelte dies. Mindestens 50% von uns durchleben irgendwann ein aehnliches Trauma, aber wir kaempfen trotzdem weiter. Wir bauen uns selber und unser Leben wieder neu auf. Ich wusste, da musste mehr passiert sein, um die unglaubliche Karriere dieses brillanten Bassisten so total zu beenden. 

In einer Ironie des Lebens stellte sich heraus, dass Adrian nicht 5000 Meilen weit weg, "in einer Gruft in Tibet" lebte. Tatsaechlich wohnte er etwa 50 Meilen die Strasse runter von mir. Ich bat um ein persoenliches Gespraech mit diesem Mann, der eines Tages um eine Ecke ging und einfach verschwand. Er war einverstanden. 

Ein paar Tage spaeter stand ich an einem Pier in der Bootszone einer Kleinstadt. Die eine Haelfte von mir erwartete, dass eine Limousine auftauchte, die andere erwartete ein Boot. Ich stellte mal wieder fest, dass ich viel zu viel fernsehe. Ich hatte ihn kurz vorher nochmals angerufen um zu bestaetigen, dass ich da war und mich zu versichern, dass er bald kommen wuerde. 

Er kam tatsaechlich an, aber weder in einer Limo noch per Boot. Stattdessen kam er in einem uralten, halb kaputten Oldsmobile, der mit einer Spraydose angemalt worden war. Um die Aura des Mysterioesen zu vervollkommnen fehlten auch die verdunkelten Fensterscheiben nicht. 

Bilder von Adrian zeigen einen grossen Mann mit langem Haar, das ueber seinen Ruecken faellt. Stechende Augen mit einem eindringlichen Blick. Nach den Jahren seit diesen Werbefotos zeigt er sich mit kurzem Haar, natuerlich immer noch gross, vielleicht etwas schwerer, aber immer noch mit diesen eindringlichen Augen. Seine Haende, mehr in der Groesse eines Baseball-Handschuhs, umschliessen die meinen als wir uns treffen. 

Wir finden ein paar Zementbloecke, auf die wir uns setzen. Ich kam, um Antworten zu bekommen, und die erhielt ich waehrend der kommenden anderthalb Stunden. 

Global Bass:  So kommt also eines Tages aus dem Nichts dieses email, worin steht, dass du noch lebst und die Welt dies wissen lassen willst. Wie bist du auf Global Bass gekommen? 

Adrian:  Ich habe eine Suchmaschine im Internet gefunden und meinen Namen eingegeben, um zu schauen, was auftaucht. Da kam das Globalbass Interview von Orin Isaacs, worin mein Name erwaehnt worden war. Du weisst ja, wie die funktionieren, die suchen einfach nach Worten oder Saetzen. 

Ich machte eine Liste mit all jenen Leuten, die ich wissen lassen wollte, dass ich nicht tot bin, nicht in einem Iglu wohne, und verschickte einfach dieses email. Das waren nur etwa 10 oder 15 Leute und ein paar, die ich kannte, wie die von Guitar World. Bevor es die Bassmagazine gab, waren das ja einfach Teile von den Gitarren-Magazinen. 

GB:  In den fruehen 80ern hatte ich den Bass fuer eine Weile zur Seite gelegt. Zuvor haette ich nie gedacht, dass ich das je tun wuerde, und war verstaendnislos denen gegenueber, die dies taten. Damals hatte ich so genug von der ganzen Politik, nicht der Musik selber, dass ich keine andere Wahl sah. Ich hatte einfach alles verkauft und ging weg. Ich verstehe darum mittlerweile, warum jemand sowas tut. In deinem Fall bleibt jedoch die Frage: Warum?  

Adrian: Meine Karriere war von 1988 bis 1994. Das war die Zeit, als die Plattenfirmen Kuenstler wie Billy Sheehan, Stuart Hamm, Randy Coven zuliessen und foerderten. Der Grund, warum sie das taten war, dass Mike Varney, der mich 'entdeckt' hatte, eine Kolumne im Guitar Player hatte und ein Plattenlabel namens Shrapnel Records besass. Ich habe viele Demosachen fuer Mike und seinen Bruder Mark gemacht. 

Das war immer noch die Zeit der 'Dekadenz' der spaeten `80'er und fruehen `90er, und jeder war irgendwie so. Die Bands da draussen waren es irgendwie, da waren Cinderella, Ratt, und Van Halen hatten auch Erfolg. Da gab es Queensryche, alle diese Bands waren am Produzieren, alle spielten gut, ueberall waren lange Haare, und man hatte diesen vereinten, satten Rock. 

Die Plattenfirmen wie Relativity, die Steve Vai und Joe Satriani unter Vertrag hatten, fanden diese Zeit grossartig und dachten, 'lass uns das erweitern' mit Stuart Hamm und all diesen anderen Bassisten. Das war damals eine wunderbare Zeit fuer mich. 

GB:  Es war die perfekte Zeit. Von allen Zeiten, um zur Spitze zu kommen, war dies das Goldene Zeitalter fuer Rockmusiker.  

Adrian: An der Spitze des Ganzen dachten all die grossen Firmen wie Ibanez, Ampeg, Crate, Washburn, dass sie ihre Produkte ueber diese riesigen, beruehmten Musiker verkaufen koennten, die all die sechzehnjaehrigen Jungen anhimmelten. Das war die beste Zeit fuer uns, weil, sagen wir mal, du warst Ampeg Ausruester... Du stehst vor einen Ampeg Amp fuer ein Foto, kriegst gutes Geld dafuer und das Produkt gratis dazu. Es war eine wunderbare Welt. 

GB:  Hast du davon profitiert? 

Adrian:  Auf jeden Fall! Ich liebte die GHS Saiten vom ersten Tag an als ich sie kriegte, Bass Boomers waren die ersten, die ich benuetzt hatte. Ich hatte einen Freund, der am MIT studierte. Ich erhielt eine Anfrage, um einen Informations-Workshop zu machen und eine Woche in Kalifornien zu haengen. Es kostete nichts. Ich dachte, ich wuerde nicht viel Geld damit machen, aber es war eine grossartige Einfuehrung fuer einen Zwanzigjaehrigen! 

Nachdem ich dort gewesen war und dieses Zeug gemacht hatte, schlugen die vor, ich solle ein Tape an GHS senden. Das Demo war grossartig, die Saiten toenen brillant, sie sind einfach fantastisch. Also sandte ich ihnen ein Tape. Das Lustige daran war, etwa 3 Wochen spaeter erhielt ich einen Anruf von einem Mann, der sich als Vertreter von GHS vorstellte. Ich habe einen Freund, der gerne solche Witze macht, und darum sagte ich dem Typ "L* mich!' und haengte das Telefon auf! 

Das Telefon laeutet wieder, und der Typ sagt, "Das ist KEIN WITZ." Der Ausruestungsvertrag war eine einfache Sache. Es war 'wir geben dir die Saiten gratis' aber es entwickelte sich zu einer Freundschaft. Ich ging ueber GHS an die Chicago NAMM Show runter. Ich besuchte sie in Battle Creek, Michigan, wo ihr Hauptsitz ist, waehrend ich dort unten war.  

Ich weiss noch, wie ich mich fragte, ob das wirklich der Ort sei, wo die Saiten gemacht werden. Es war eines der groessten Unternehmen der Welt, die Basssaiten herstellen... und es war alles portabel. Die ganze Fabrik war portabel! Es war ein kleines Plaetzchen. Es sah eher aus wie eine bankrotte Schule! 

Ich war ueberrascht, weil ich nicht gewusst hatte, fuer wen sie alles Saiten produzieren, z.B.  Rickenbacker werden mit GHS Saiten ausgeruestet. Innerhalb von 10 Tagen sagte er "Du spielst also  Rickenbacker, ich kenne den Typen dort!" Die Dinge entwickelten sich so schnell. Bang! Bang! Bang!  

Also machten wir diese Rickenbacker Bilder und ich unterschrieb sie. Das Leben war toll! Mein 'Bass Symphony' Album war erst etwa 3 Monate zuvor erschienen. Ich hatte diese super Plattenkritik im Rolling Stone, all diese Dinge. Es stand alles grossartig, ich wusste, woher das Geld kam. 700 US-Dollar fuer 25 Minuten spielen! Die Geschaefte dieser Art gingen konstant weiter.  

Wir machten das eine Weile so, und ploetzlich aenderte die ganze Investitionsmentalitaet der Hersteller in die Musiker. Die 90er veraenderten die Dinge. Steve Vai verkaufte nicht so viele Platten. Stuart Hamm's Alben verkauften sich auch schlecht, wie auch Billly Sheehan's. Der kriegte nicht mal einen Vertrag.  

Dann kam ploetzlich die Seattle-Szene auf. Du bist der Anti-Held. Leute, die nicht mal ihre Gitarre stimmen koennen. Das waren die besten Zeiten, die ich in der Musik hatte. Damals mit all dem Firmenkram in der Musik ging alles nur ums Geschaeft. Die besten Zeiten waren, wenn du einfach fuer die ganze Rock and Roll Atmosphaere gespielt hast. 

Die besten Zeiten waren, wenn mein Gitarrist seine Gitarre in die Luft hielt und ich meinen Bass. Ich schrumme seine und er zupft meine Gitarre. Diese Dinge haben die Leute umgehauen. Es war so witzig, der Durchschnittsmensch, der dich spielen sieht, weiss nicht mal, dass es einen Unterschied gibt zwischen einer akustischen Gitarre und einem Bass. Sie standen da und sagten "Ihr zwei seid grossartige Gitarristenď.  

Auch jetzt zu Hause ist das so. Meine Freundin managt ein Restaurant mit live Jazz-Musik. Ich frage sie 'Wer spielt heute abend, und wie ist die Instrumentierung?' und sie sagt, "Nun, einer spielt eine grosse Gitarre, und einer spielt etwas wie eine Klarinette oder eine Floete oder sowas.ď Ich frage sie, ob das Instrument aus Blech ist, und sie sagt 'Ja!'. Das ist die Mentalitaet von vielen Leuten.  

GB: Zurueck zu der grossen Gitarre, die du spielst, hast du mit der grossen Gitarre angefangen? 

Adrian: Interessanterweise war die klassische Gitarre das Instrument, mit dem ich angefangen habe. Ich bin in England geboren, und mit 13 hatte ich schon etwa zwei Jahre gespielt. Ich lernte bei Julian Bream, was ein grosses Glueck war. Ich hatte auch noch einen anderen Lehrer, der eine Klasse leitete, sein Name war Trevor Guest. 

Es war kein persoenlicher Unterricht, wir waren etwa 10 Schueler. Er verbrachte vielleicht nur etwa 10 Minuten mit dir waehrend der anderthalb Stunden, in denen du da warst. Du hast nie gedacht, dass du irgendwo hinkommst. Ich ging viele, viele Monate zu diesen Typ, und eines Tages sagt er "Du wirst dein Royal School of Music Grade 7 Examen machen...am naechsten Mittwoch."  Ich sagte "Ich mache meine Pruefung in vier Tagen!!!?".  Er: "Du wirst diese Stuecke da machen und diese Tonleitern." Ich fuehlte mich total unvorbereitet.  

Ich hatte Angst. Das Examen kostete $90 und ich dachte "Ich kann das nicht!" Ich ging hin und es lief wirklich gut. Ich merkte spaeter, dass es all diese Subtilitaeten waren, die er lehrte, du hast nicht mal gemerkt, wie sie sich in dir gesetzt hatten und du dich als Musiker entwickelt hast, das war alles so einfach. 

GB:  Und er hat dich nicht unnoetig gestresst. 

Adrian:  Genau, kein Stress. Es war ueberraschend, es wurde alles so fluessig. Danach habe ich andere Master Classes gemacht mit vielen Leuten. Im Grunde erhielt ich mein Lehrer-Diplom mit 14. Dann begann ich ein wenig Klavier zu spielen. Zum Glueck kam ich dann irgendwie auf den Bass. 

Ich war in der 11. Klasse und suchte eine Moeglichkeit, um mir moeglichst einfach einen Ruf zu erwerben, damit ich durchs Examen kam. (Lacht) Ich entschied mich fuer das Musikprogramm, mit einer Aufnahmepruefung. Ich spielte Dizzy Gillespie-Stuecke, den Gitarrenpart von "Night in Tunisia'.  

Der Bassist der Konzert-/Buehnenband wurde krank. Die wussten, dass ich Gitarre spielen konnte, und so sagten sie 'kannst du die Basslinie spielen'? Die hatten die Mentalitaet zu denken, das sei etwa dasselbe, Bass und Gitarre, was sie nicht sind. So spiele ich also die Basslinien, als die Hoerner anfangen zu spielen. Ich erinnere mich, wie ich dachte: "Der Bass ist das coolste Ding!"  

Seither denke ich, wenn ich Sachen wie RUSH hoere, "Hey, das sind KEINE Gitarrenlinien!" Das naechste, woran ich mich machte, war das Bass-Solo von RUSH's 'Free Will'.  

Da ich nicht genug Geld hatte, um einen Bass zu kaufen, mietete ich einen von der Schule. Ich nahm ihn mit zu einem Freund, er ist Schlagzeuger. Wir suchten einen Gitarristen, und innerhalb einiger Monate hatten wir ein paar Stuecke zusammengestellt. Wir hielten es ganz einfach. Wir versuchten nicht, technisch zu spielen. Wir gaben uns Muehe, richtig zu spielen und wollten Spass haben. Das warís, einfache Sachen, die Spass machten.  

GB:  Das erklaert den Anfang. Wie kamst du an den Punkt, wo Dinge wie Bass Symphony moeglich wurden? Das ist eine weite Reise vom Mitglied in einer RockíníRoll Band zum Komponisten einer Symphonie. Hast du dich bewusst auf eine Lead-Instrument Mentalitaet zubewegt? 

Adrian: Ich denke, wir vesuchten alles einfach zu halten. Wir hatten einen Gitarristen, einen Bassisten, einen Schlagzeuger und einen Saenger. Ich hatte kein Keyboard und wir machten Sachen mit zwei oder drei Gitarren-Overdubs, Keyboard-Parts, sehr komplizierte Sachen. Damit das funktionierte, wenn wir zum Soloteil kamen, wo alle zuruecktraten, fing ich an, ein paar melodische oder rhythmische Variationen mit der rechten Hand auf dem Griffbrett zu spielen. Ich machte etwas, damit es mit dem Gitarristen zusammen funktionierte. Wir entwickelten auch unsere eigenen Soloteile in diesem Lied. Es ging einfach nicht anders.  

Ich bemerkte, dass mein klassischer Hintergrund meine Melodien stark beeinflusste, als ich versuchte, die Melodie von der Begleitung auf der klassischen Gitarre zu trennen. Das ist etwas vom Schwierigsten, das jeder klassische Gitarrist versuchen kann. Du spielst all diese anderen Saiten mit deinen Fingern, aber du betonst das 'E' auf der hohen Saite. Du gebrauchst Vibrato und spielst es lauter, waehrend du all die anderen Sachen dazuspielst.   

Als ich anfing, ueber das mit dem Bass nachzudenken, fing ich an, es so sehr zu lieben. Zu dieser Zeit spielte ich Rickenbacker, und die haben nur 19 oder 20 Buende, da kommt man nicht so weit. So fing ich an, diese Stuecke selber zu spielen. Das erste, das ich arrangiert hatte, war "YESTERDAY", der Beatles-Song. Ich fing es in D Dur an, obwohl es original in F ist, denn sonst haette ich zu wenig Platz gehabt dafuer. Ich brauchte ungefaehr 6 Monate, um dieses erste Stueck auszuarbeiten, damit es richtig orchestriert und technisch gut war!  

Ich habe es wirklich gemocht. Danach wurde es einfacher.   

GB:  Wie und warum hast du von Rickenbacker auf Lado gewechselt? 

Adrian: Das hat sich auf den spaeteren Alben zusammen mit anderen Dingen entwickelt. Ich verbrachte mehr Zeit damit, mich auf den Sound zu konzentrieren, was mich dazu brachte, das Instrument zu wechseln, und das brachte mich von Rickenbacker auf Lado. Der Hauptgrund war, dass das neue Instrument all diese wundervollen Rickenbacker-Sachen hatte, mit den Stereo-Ausgaengen, verschiedenen tonalen Effekten direkt auf dem Instrument, und 24 Buende. Das veraenderte alles, was ich damals an den Shows spielte. 

Statt immer da oben auf dem Rickenbacker zu spielen (mimt das Spiel zuoberst auf dem Hals) konnte ich jetzt ganz hier unten spielen (zwischen dem fuenften und siebten Bund). Das gab mir so viel mehr Raum, um all diese Dinge zu machen. Das war wahrscheinlich der beste Wechsel den ich gemacht habe, obwohl ich es Rickenbacker verdanke, dass ich ueberhaupt zu dieser Musik kam. Die Gruende waren Chris Squire, Geddy Lee und ein lustig aussehender Bass.  

GB:  Was haeltst du generell von Bassbauern? 

Adrian: Sie sind alle Traumtaenzer, flatterhaft in der Denkweise. Am einen Tag denkst du "Ich packe zusammen, alle in der Musik sind eine Bande von Idioten!'. Am naechsten Tag ist es "Weisst du was? Ich liebe diese Industrie!" 

GB:  Ich weiss, was du meinst, ich habe einen Freund, der Baesse baut, der faehrt jetzt in Carolina Lastwagen. Ich rief ihn kuerzlich an, und er dreht fast durch weil er jetzt Lastwagen faehrt. Es ist derselbe Mann, der mich als Vertreter haben wollte, um seine unglaublichen Instrumente zu verkaufen. 

Gerade vor Weihnachten ist er aufgeregt darueber, dass er mir den Ultimativen Bass bauen will als Demoinstrument fuer den Verkauf. Weihnachten kommt und geht vorbei, Monate vergehen, aber kein Bass kommt. Ich rufe ihn an, er ist in seinem Truck in Virginia und sagt, er habe seit Weihnachten kein Geld, um einen Demo-Bass zu bauen, und ich solle die Baesse mit Hilfe von Fotos verkaufen. Rauf und runter wie ein Klositz. 

Adrian:  Meinen Bassbauer konnte ich nie verstehen! Die erste Show, die wir zusammen gemacht haben, war in Anaheim, Kalifornien an der NAMM Show. Er entschleierte all die Baesse, die er gebaut hatte. Er hatte einen Riesenhaufen gemacht, Tonnen von Baessen mitgebracht, Tausende von Dollars ausgegeben. 

Waehrend den ersten beiden Tagen der Show hatte ich etwas gespielt und Werbung gemacht. Ich war die ganze Zeit mit ihm zusammen. Ich war dabei. Ich wurde bezahlt, und alles war grossartig. Ich hatte auch mein neues Album dabei. 

Er kommt zu mir und sagt, "Ich habe diese Bestellungen fuer 14 Baesse von einer Firma, 20 von einer anderen, 30 von noch einer anderen!" Er sagt, "Wir gehen essen!!!! Feiern!!"  

Da sitzen also etwa 40 Leute an diesem riesigen Tisch, und er sagt, "Macht euch keine Gedanken, ich kuemmere mich darum!" Das muss ein Vermoegen gekostet haben! Die Freude des Moments, das ist verstaendlich. Aber wie ein Drogensuechtiger, zwei Monate spaeter und all diese Geschaefte am Bluehen, sind sie am Arbeiten. Er rennt herum und sagt, "Ich schaffe das nicht! Ich werde nicht rechtzeitig fertig! Ich wollte nur zwei Baesse pro Monat bauen, nicht 45!".  

Was mich erstaunt hat, waren ihre widerspruechlichen Gefuehle von Woche zu Woche, du wusstest nie woran du warst! Unabhaengige Bassbauer sind solche Traumtaenzer. 

GB: Sie stellen nie Marketing-Experten an oder tun, was sie ihnen raten. Sie besorgen sich nie einen Puffer zwischen ihnen als Hersteller und den Kaeufern.  

Adrian: Und das sollten sie!  

GB: Ein Hersteller ist selten als Verkaeufer erfolgreich. Das zeigt sich manchmal sogar bei den groesseren Firmen. 

Adrian: Du kannst das ausnuetzen. Die erste Show, auf die mich Rickenbacker geschickt hatte, war ein gutes Geschaeft; sie sagten mir..."Tauche einfach zu der Zeit dort auf". Was war die Amp-Firma? Gallien-Krueger, eine von diesen Firmen. Es war ein wunderschoen aufgemachter Stand, an dem wir waren. All diese polierten Baesse, unglaublich.  

Meinen ersten 'Rick' hatte ich aus zweiter Hand gekauft. Er hatte nicht diese Knoepfe oben auf der Kopfplatte, darum hatte ich dort ein Teil von einem Transistorradio montiert. Jedes Teil des Basses war total ausgefranst! Die Buende waren ganz runtergespielt. Es sah aus wie ein Stueck Abfall. Ich hatte den Bass schon gestimmt, und so nahm ich ihn einfach hervor und begann zu spielen.  

Du haettest die Gesichter der Leute von Rickenbacker sehen sollen. Sie kamen vorbei und fragten, ob das die echten Rickenbacker-Knoepfe seien. Spaeter sagten sie mir, sie wuerden mir einen bauen. Es war eine interessante Beziehung. Ich hatte noch nicht mal darueber nachgedacht. Fuer mich war dieser Bass ein Rickenbacker! Ich sagte ihnen, "Ich mag euer Produkt, das ist schon seit Jahren mein Bass." 

Ich hatte die Halterungen fuer den Gurt angeschraubt, der Gurt war fest installiert. Es hatte sogar Blut an den Pickups. Als ich juenger war und in den Rockbands gespielt hatte, war das mein erster Bass. Ich hatte nicht viel gespielt, da ich ein klassischer Gitarrist war. Ich hatte aufgeplatzte Schwielen an den Fingern, musste jeden Abend spielen, und mit Bandagen konnte ich nicht spielen, also nahm ich sie ab. So wurde alles mit Blut verschmiert.  

GB: Kommen wir zum Grund, Adrian, warum ich heute mit dir zusammensitzen wollte. Wir haben ueber viele Dinge gesprochen, aber das ist der Haken, warum ich hier bin. 

Viele Bassisten rackern sich ab, ueben, nehmen Stunden, schauen sich Videos an, gehen an Schulen, und entwickeln sich zu guten Bassisten. Nur einer von vielen 'schafft' es wirklich. Die meisten muessen fuer ihren Erfolg jeden Tag aufs Neue kaempfen.  

In deinem Fall scheint es jedoch, als ob dir statt dass du immens viel geuebt haettest, einfach alles in den Schoss gefallen ist. Es scheint, dass du zur richtigen Zeit am richtigen Ort warst, vier grossartige Alben gemacht und dann einfach wieder verschwunden bist, waehrend wir uns alle wundern, ob das alles ueberhaupt passiert ist. Wenn du wirklich gewollt haettest, haettest du ein Jeff Berlin, ein Victor Wooten oder ein Ron Carter werden koennen und eine lebenslange Karriere machen koennen. Du koenntest es auch heute noch. 

Also warum bist du einfach verschwunden? 

Adrian: Nun, ich denke, heute koennte ich es. Ich habe eine Sehnenscheiden-Entzuendung (Anm. der Uebersetzerin: engl. Carpel Tunnel Syndrome?). Ich weiss, dass einer meiner Lieblingsgitarristen, Yngwie Malmsteen, es auch hat, und er musste 6 Monate pausieren und liess sich operieren. Ich habe keine Angst vor der Operation, aber ich denke, es macht immer mulmig, unters Messer zu muessen.  

Der andere Punkt ist, dass die Leute immer verschiedene Karrieren in ihrem Leben machen. Ich habe einen Artikel ueber Harrison Ford gelesen, worin stand, dass er erst nach 30 Schauspieler wurde. Zuvor war er Zimmermann. Ich denke, ich habe einfach die Jugend genossen. Ich hatte wahrscheinlich die schoenste Zeit meines Lebens, als ich RockíníRoll spielte. Ich habe es wirklich genossen. 

Damals hatte ich verschiedene persoenliche Probleme, und das gab mir die Moeglichkeit, andere Dinge zu tun, die ich mag. Ich hatte viele verschiedene Hobbies, als ich jung war. Ich ging mit 18 von zu Hause weg, um den RockíníRoll Traum zu verwirklichen. Das war leicht, ich war musikalisch begabt und habe in jungen Jahren eine Ausbildung genossen. Ich hatte nie Probleme, irgendetwas rauszusuchen und zu spielen. Das Schwierigste war das Schreiben. Aber auch das war nicht so kompliziert. 

Dann hatte ich meine Verletzung. Ich denke, das kam, als ich aufhoerte zu spielen. 

GB: Was fuer eine Verletzung? 

Adrian:  Meine Sehnenscheiden-Entzuendung. Ich nenne es eine Verletzung, da es sich waehrend einer sechs- bis siebenmonatigen Pause, die ich wegen meiner Beziehungsprobleme machte, entwickelte. Ich erinnere mich, wie ich mir ueberlegt hatte, wieder zu versuchen, Bass zu spielen, und dachte, "Das ist wirklich hart, wirklich schwierig'. Ich wollte nicht noch einmal anfangen muessen. Ich erinnerte mich an Tony Iommi von Black Sabbath, der neu anfing Gitarre zu spielen, nachdem er die Fingerspitzen verloren hatte. Ich wollte wirklich nicht nochmals von vorne anfangen. 

Ich hatte die Gelegenheit, mein Leben neu auszurichten. Ich war schon immer an Kriminologie Psychologie interessiert. Das wollte ich machen. Das hat nichts mit einer Lebenskrise zu tun.  

Ich sage nicht, es kann nicht nochmals passieren. Ich kann nicht sagen, ich werde nie mehr Bass spielen. 

GB: Denkst du ueberhaupt noch daran? 

Adrian: Ja schon, gerade bevor ich zu diesem Interview kam, spielte ich noch die ersten 10 Minuten von Dorian's Mode. Ich konnte mich nicht mehr erinnern, was ich gemacht hatte, um diesen Song zu schaffen. Das Lied war alles an einem Stueck aufgenommen worden. Ich hoerte es mir an und dachte, 

'Wem hoere ich da zu?'.  

Das war ein unglaublich erhebendes Gefuehl, denn jetzt hoere ich diese Sachen zum ersten Mal als Aussenstehender. Jetzt kann ich mir eine Band anschauen gehen und es einfach geniessen. Ich muss nicht alles analysieren, das lastet nicht auf meinen Schultern. Wenn du an ein Konzert gegangen bist, nachdem du 12 Stunden am Tag gespielt hattest, konntest du nicht anders als alles zu analysieren. Es machte gar keinen Spass mehr. 

GB:  Denkst du, dass weil die Musik ganz natuerlich in dein Leben gekommen ist, du dich nicht an sie klammerst wie an einen Rettungsanker? 

Adrian: Das ist es wahrscheinlich sogar sehr genau. Ich habe viele Musiker gesehen, die hart gearbeitet haben. Sie haben sich wirklich abgerackert. Ja, wahrscheinlich bin ich mir des grossen Talents nicht bewusst gewesen, das mir einfach gegeben wurde, und habe es nicht zu schaetzen gewusst. Nicht so sehr wie all die Leute, die viel Zeit in ihre musikalische Entwicklung investiert haben. Es war einfach aufzugeben. Im Moment fahre ich ein Auto, das ich wirklich liebe, aber ich weiss, es haelt nicht mehr lange. Es ist eine Antiquitaet! 

GB:  Alles veraendert sich. 

Adrian:  Alles aendert sich! Aber von der Musik auf etwas anderes zu wechseln, war fuer mich keine grosse Sache. Ich bin mir der Sachen bewusst, die ich gemacht habe. Dinge, die ich genossen habe. Es war eine grossartige Zeit. Ich glaube, das Leben bringt verschiedene Dinge. Ich denke, in genau diesem Moment meines Lebens, als ich das letzte Album (Dorianís Mode) beendet hatte, erreichte ich einen Punkt, wo ich eine Pause benoetigte. 

Diese Pause dauert vielleicht einen Monat, 2 Monate, sechs Monate, ein Jahr oder laenger. 

GB: Hast du je eine andere Moeglichkeit erwogen als alles aufzugeben, als du an diesem Punkt angekommen warst? 

Adrian: Ich denke, ich habe so viel herausgebracht, wie ich alleine konnte. Mein naechster Plan waere gewesen, eine Band zusammenzustellen. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, weitere Soloprojekte zu machen.

 

 

Adrian ist dabei, einen 'Sampler' der besten Stuecke seiner vier Alben zusammenzustellen. Auf der CD werden auch bisher unveroeffentlichte Stuecke aus ueber 30 Stunden Musik zu hoeren sein.  

Wie bereits erwaehnt, hier nochmals seine vier bereits veroeffentlichten Alben: 

MENS REA,

ALIBI,

BASS SYMPHONY und

DORIANS MODE 

                  

Adrian kann auf folgender Homepage kontaktiert werden:

adriandavison10@hotmail.com

 

 

                                  

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Last modified: June 16, 2009