Global Bass Online                                                                                  March  2001

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Alain Caron in German

 

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Alain Caron: "Call me Al"

Sie steht irgendwo zwischen den Welten von Kontra- und E-Bass; die Welt des bundlosen (fretless) Basses. Viele grossartige, renomierte Bassisten haben sich nie in diese Gefilde gewagt und werden es nie tun. Es ist eine exakte und gnadenlose Disziplin, die absolute Kontrolle und Kenntnis des Griffbretts voraussetzt.

Der bundierte Bass bietet Spielraum auf der Distanz zwischen zwei Bnden. Spiel irgendwo in diesem Bereich, und Du hast die Gewissheit, dass der Ton ziemlich genau stimmt. Beim unbundierten Bass hingegen ist oft schon eine Verschiebung um eine halbe Fingerbreite komplett daneben. Nichtsdestotrotz gibt es jene, die scheinbar schwerelos ber dieses feine Griffbrett tanzen wie Akrobaten auf dem Hochseil, eine wahre Flut von Noten in perfekter Intonation aneinanderreihen. Man denkt an die grossen Namen wie Gary Willis, Jaco Pastorius, Michael Manrig, und natrlich kommt auch der Name Alain Caron auf. Bedenkt man, dass Alain ausserdem einen Sechssaiter ohne Bundmarkierungen, ja selbst ohne Markierungen auf der Hals-Oberseite, und das in einem anspruchsvollen Musikstil, einer hochstehenden Mischung aus Jazz und Rock, spielt, wird einem fast schon schwindlig. 

In der Global Bass Titelstory dieses Monats geht es um den Mann, der fr viele der beste lebende Fretless-Bassist berhaupt ist. Lest seine Geschichte von den unkonventionellen Anf„ngen, wie er per Zufall in die Basswelt kam, durch die Zeit mit den Jazz-Stars UZEB bis hin zu seinen vier Soloalben bis dato, inklusive des neuesten, 'CALL ME AL'. 

Global Bass: Beginnen wir mit dem Albumtitel 'CALL ME AL'. Das t”nt nach einer sehr freundlichen Art, es den Leuten einfacher zu machen.

Alain: Ja, das ist es... W„hrend der letzten 20 Jahre bin ich viel ausserhalb von Quebec herumgereist. Ich hatte viel gesch„ftlich mit Leuten zu tun, die nicht Franz”sisch sprachen. Deutschland, Italien, Japan, wo auch immer. Ich merkte, dass die Leute Mhe damit hatten, meinen Namen auszusprechen. 

GB: Die englische Version von 'Alain' ist 'Allen'? 

Al: Ja, genau. Darum sagte ich den Leuten, die meinen Namen nicht aussprechen konnten "nenn mich einfach Al, das ist schon in Ordnung". 

GB: Viele m„nnliche Jugendliche lernen ein Instrument, um M„dchen kennenzulernen, aber das trifft erst ab 15 bis 16 Jahren zu. Du warst damals ja mit elf Jahren wesentlich jnger. Was war Deine Motivation in so jungen Jahren? 

Al: Ich habe schon mit etwa 6 Jahren angefangen, Gitarre zu spielen. Mit etwa Neun fragte ich meine Eltern, ob ich Schlagzeug lernen drfe. Sie kauften mir ein Schlagzeug, auf dem ich rumzuh„mmern begann. Natrlich machte ich jede Menge L„rm in dem Haus! 

Ich spielte immer noch Gitarre und sang, als in meiner kleinen Heimatstadt ein Wettbewerb stattfand. Ich gewann diesen Wettbewerb, und die Begleitband fragte mich, ob ich Lust h„tte bei ihnen mitzumachen und einige Abende pro Woche zu spielen. Es war ein Trio, ein Keyboarder, der Bass auf dem Keyboard spielte, und ein Schlagzeuger. Also eigentlich war es ein Duo mit S„nger, und mich wollten sie als Gitarrist dabeihaben. Der Keyboarder war ein Ex-Bassist. Er hatte einen tollen Fender Jazzbass, und bei einigen Stcken wollte er Akkordeon spielen. Er brachte mir darum bei, ab und zu ein paar Stcke auf dem Bass zu begleiten. 

Im Sommer spielte eine meiner Schwestern in einer professionelleren Band. Ihr Bassist verliess die Band, und da sagten sie, "Okay, wir nehmen Dich als Ersatz fr den Sommer". 
Als der Herbst kam, fragte ich meine Eltern, ob ich bei der Band bleiben und auf Tour gehen drfe. Ich war vierzehn.

GB: Und sie sagten 'ja'!? 

Al: Sie sagten 'ja'. 

GB: Wie ich weiss, sind die Bars in Quebec bis sp„t in die Nacht offen. Wie kann da ein Vierzehnj„hriger einfach reingehen? Es berrascht mich, dass Deine Eltern dazu einfach ihr OK gaben. 

Al: Nun, ich war ziemlich ernsthaft fr mein Alter. Meine Eltern sind grossartige Leute und merkten, dass ich Musik machen wollte fr den Rest meines Lebens. Der einzige Weg fr mich dies zu tun war, dass sie mich gehen liessen. Aber ich war wirklich sehr ernsthaft. Ich meine, ich hatte schon Spass, lachte die ganze Zeit, es ist nicht so dass ich nur traurig rumsass. Ich war sehr gesellig. Aber auf der anderen Seite war ich sehr bestimmt mit meiner Musik. Ich wusste, was ich machen wollte. 

GB: Dieser Bass, den Dir der Keyboarder damals auslieh, war der bundiert? 

Al: Ja, es war ein sehr netter Jazz Bass, etwa ein `60er oder `59er, wirklich ein sch”ner Bass. Ich wollte diesen Bass behalten, aber er wurde gestohlen. Gr„sslich. 

GB: Vielleicht tr”stet es Dich, dass der Bass wahrscheinlich schon lange jemand anderem geh”rt, nicht mehr einem Dieb, vielleicht jemandem, der nicht mal weiss, dass der Bass gestohlen wurde. 

Al: Genau, vielleicht liegt er bei jemandem im Keller herum. 

GB: Und was hat Dich dann auf den bundlosen Bass gebracht? 

Al: Als ich damals in dieser Band zu spielen begann mit vierzehn Jahren gab mir ein Bassist einen unbundierten Lancer Bass. Ich glaube, er war japanisch, ich bin aber nicht sicher. 

GB: Hatte der Bass Bundmarkierungen? 

Al: Nein, er hatte ein Ebenholz-Griffbrett und einen kleinen schmalen Hals. Ich spielte darauf und es war wirklich wunderbar. Aber ich behielt auch den bundierten Fender. Als Jaco dann kam und den Fender umbaute, tat ich es ihm natrlich gleich. 

GB: Haben Dich die Schwierigkeiten eines bundlosen Basses so frh in Deiner Karriere nicht eingeschchtert? 

Al: Nein, ich hatte schon mit 14 angefangen, Kontrabassisten wie Ray Brown zu h”ren. Fr mich war der Fretless Bass am n„chsten am Kontrabass. Ich sah ihn aber auch als ein anderes Instrument an. Er erfllt zwar die gleiche Funktion, aber auf eine andere Art. Er ist „hnlich wie das Cello ausser dem Bogen, mit dem man ein Crescendo machen kann. Das kann man auf dem Bass nicht machen wegen dem Fingerstil. Alle anderen Ausdrucksarten sind aber dieselben. Fr mich ist der bundlose Bass ein viel ausdrucksvolleres Instrument als der bundierte. 

GB: Du trafst Michael Cusson 1977. War er scho in einer Band?

Al: Sie spielten jeden Montagabend in einem Club in der Stadt. Also ging ich hin um sie zu sehen. Jean Ste. Jacques spielte damals Schlagzeug und war einfach unglaublich! Ich mochte sehr wie sie spielten, also sagte ich ihnen, ich wrde gerne mit ihnen spielen. 'Ihr seid genau auf meiner Wellenl„nge, weil Ihr sowohl Standards spielt, aber auch offen seid fr Neues wie Miles Davis, Weather Report, Chick Corea.' Jazzmusiker mit einem rockigen Sound. 

GB: Hast Du schon damals die Aufmerksamkeit der Leute angezogen, so jung, haben Publikum und Musiker schon gesagt, Du h„ttest etwas Spezielles? 

Al: Ja, die Leute sagten mir das dauernd. Weiát Du, es ist komisch, als ich mit der Hitparaden-Band auf Tour war sagten mir alle Leute von der Band "Du bist verrckt, Du bst ANDAUERND! Du bist zu gut fr diese Art Musik. H”r auf zu ben und trink ein Bier mit uns!!" 

Ich sagte immer "Nein", weil ich nicht mein Leben in einer Hitparaden-Band verbringen wollte. Ich wollte schon Jazz spielen und ins Studio gehen. Wie ich schon vorher gesagt habe, war ich sehr ernsthaft und hatte eine klare Vorstellung davon, was ich erreichen wollte. Ich wollte die Welt bereisen und meine Musik spielen. 

GB: Quebec hat viele Superstars, Knstler mit ph„nomenalem Erfolg, die aber ausserhalb der Provinzgrenzen kaum bekannt sind. Nichtsdestotrotz haben UZEB und Du als Soloknstler es geschafft, die Grenze zu berschreiten. Du wirst nicht nur in Kanada, sondern auf der ganzen Welt ernstgenommen. 

Al: Das war, weil wir keine Texte hatten. Wir hatten die internationale Sprache (der Musik). Fr die Knstler von Quebec ist die Sprache die Barriere. Ich m”chte jetzt keine Politik machen, aber Quebec ist eine Insel in Nordamerika. Es ist wie ein isoliertes Land. 

GB: Aber Du hast absolut Recht damit, dass Musik selber die internationale Sprache ist. 

Al: Das stimmt. Wir wussten von Anfang an, dass es hart werden wrde. Wir wrden einen kleineren Prozentsatz der Fernseh- und Radiozuh”rer erreichen, also wrde es l„nger gehen bis wir dort waren, wo wir hinwollten. Aber wir wussten, dass wir das Potenzial zu einer internationalen Band hatten. Darum haben wir von Anfang an unser spielerisches Niveau am internationalen Standard gemessen, nicht am nationalen. Das ist ein grosser Unterschied. Wenn Du auch von einer Kleinstadt in Quebec kommst, kannst Du sehr schnell sehr gross werden, aber Du bist nicht notwendigerweise auf einem internaitonalen Niveau. Wir haben immer uns, unseren Sound, unser Spiel mit anderen Bands weltweit verglichen. 

GB: Es muss frustrierend sein, im eigenen Land ein Star zu sein, dann ber die Grenze hinauszuschreiten nur um festzustellen, dass man es nicht schafft. 

Al: Darum waren wir damals bescheiden, und ich bin es heute noch. Weltweit ist das Niveau recht hoch. 

GB: Fhlst Du Dich unwohl, wenn Dich die Leute 'den heissesten Bassisten' nennen? 

Al: Ach, es ist kein Wettbewerb. Es ist nicht wie im Sport, kein Rennen. Man kann technische Ansprche erheben, sagen, es ist dies oder das, aber letztendlich ist alles nur eine Frage des Geschmacks. Es ist wie Poesie. Man kann nicht der gr”sste Dichter der Welt sein. Das kann niemand von sich behaupten. Man kann aber der Beste fr eine Person oder fr eine Gruppe von Leuten sein. 

Jaco Pastorius wurde als der beste Bassist der Welt angesehen, obwohl ich viele Musiker kenne, die seine Art zu spielen nie mochten. So lange jemand sagt, Du seist der Beste, bist Du es. Fr ihn. Das kann viel Mut machen. 

GB: Zehn Alben w„hrend der Zeit von UZEB, ber 10 Jahre, das ist recht viel Arbeit. Kam das Ende der Band einfach, weil es sich ausgelaufen hatte? 

Al: Wir, speziell Michael und auch ich wussten, dass wir getrennte Wege gehen mussten, wenn wir uns weiterentwickeln wollten. UZEB war eine grossartige Band, aber das bedeutet auch, dass man viele Konzessionen eingehen muss. Wenn wir zusammen ein Lied schrieben, mussten wir uns jeweils darauf einigen, ob es jetzt dieser oder jener Akkord sein soll. Wir haben sehr viel gelernt mit dieser Band, bis hin zum Abmischen einer Platte. Wir mussten uns immer miteinander einigen, das war grossartig. Es war der Hauptgrund, warum die Band diesen Sound hatte. Wegen diesen internen Anpassungen. 

Michael ist ein unglaublicher Komponist und sensationeller Musiker, und wir kamen an einen Punkt, wo sowohl er wie auch ich fhlten, dass wir 100% wir selbst sein mussten. Jeder fr sich. 

Es war eine harte Entscheidung, denn UZEB waren an der Spitze ihres Erfolges. Aber auf der anderen Seite war es auch leicht, denn wir wussten, dass wir noch eine lange Zeit vor uns hatten, um individuell Musik zu machen. 

GB: Wirst Du von Zeit zu Zeit unter Druck gesetzt, die Band wieder ins Leben zurckzurufen oder wenigstens eine Reunion-Tournee zu machen? 

Al: Jede Stunde! (lacht). Die ganze Zeit. Man offeriert uns viel Geld fr eine Tournee, aber wir haben uns dagegen entschieden, weil wir uns selber weiterentwickeln wollten und als Soloknstler akzeptiert werden wollen. Ich wusste, das wrde lange Zeit brauchen. Jetzt kommen wir langsam dahin. 

GB: Und Du weiát nie, wass die Zukunft bringen wird. Wer weiss, was Du in 10, 15 Jahren machen wirst?

Al: Es ist nicht unm”glich, wir haben die Tre nicht verschlossen. Unser letztes Konzert war 1992. 

GB: Kommen wir zum Equipment, das Du fr Deinen unverwechselbaren Klang bentzt. Du besitzt rund 20 B„sse, richtig? (Alain tritt sehr stark fr F-B„sse ein (Furlanetto Basses von Hamilton, Canada, Hersteller von Weltklasse-Edelb„ssen.)

Al: Ah ja, so ungef„hr. Ich spiele schon seit langer Zeit F B„sse und George (Furlanetto) baut Instrumente fr mich. Er schickt mir immer wieder neuere Versionen mit neuen Details. So habe ich mittlerweile eine stattliche Anzahl davon. 


GB: Es sieht so aus, als h„tten Du und George den perfekten Ausrster-Vertrag ausgehandelt, denn wenn jemand an Alain Caron denkt, denkt er an Furlanetto. Ich wohne in der N„he von Furlanetto, und wenn ich in den Laden gehe und diese B„sse anschaue, denke ich an Alain Caron. Das ist die perfekte Symbiose zwischen einem Musiker und einem Instrument. 

Al: Ich war gerade vor zehn Minuten mit George am Telefon, um ein paar Sachen zu planen. Wir haben definitiv die perfekte Vereinbarung. Ich will immer mit ihm zusammenarbeiten wegen dem Charakter, den wir gemeinsam entwickelt haben. Es ist komisch, einen Bassbauer zu finden, mit dem man sogar ber den Endsound gleicher Meinung ist! Er liebt die gleichen Dinge bei einem Sound wie ich. Wir sind irgendwie zusammen da reingewachsen. Wir haben unsere Ohren und Kenntnisse zusammen entwickelt. Immer in der gleichen Richtung und auf demselben Pfad. 

GB: Wie habt Ihr Euch kennengelernt? 

Al: Er kam nach Montreal, rief mich an und sagte, er h„tte ein grossartiges Instrument fr mich. Ich probierte es aus und sagte "Ja", sagte ihm aber auch rundheraus, was mir nicht passte. Er meinte "Oh, das hab' ich nicht gesehen, aber Du hast recht!". 
So ist es jetzt seit fast 14 Jahren. 

GB: L„sst Du etwas speziell machen, z.B. bei den Tonabnehmern?

Al: Oh mein Gott, ja! Ich weiss nicht mehr, wieviele Versionen von Tonabnehmern wir ausprobiert haben. Jetzt arbeiten wir auch mit Seymour Duncan zusammen, und ich werde ihre Pickups bentzen. Ich arbeite jetzt seit vier Jahren mit George und den Technikern von Seymour Duncan zusammen. So hat man die Wahl zwischen den Pickups von George und Seymour. Aber George nimmt auch je l„nger je mehr die Tonabnehmer von Seymour Duncan. Er hat keine Zeit, die Tonabnehmer selber aufzuwickeln. 

GB: Auf vielen Konzertvideos spielst Du einen F Bass mit einem Midi-Tonabnehmer auf dem Bass. Ist dies der Yamaha B1-D Tonabnehmer?

Al: Ja, den habe ich jetzt, obwohl ich ihn live nicht mehr spiele, aber ich habe ihn im Studio.

GB: Warum bentzt Du ihn live nicht mehr?

Al: Weil ich mich nach UZEB mehr einfach auf den Bass konzentrieren wollte. Den bundlosen Sechssaiter. Zuerst wollte ich zwei Kl„nge entwickeln, den bundlosen wie auch den Piccolo-Bass-Sound. Ich werde auch einen Sechssaiter-Stehbass entwickeln. 
Daran arbeite ich jetzz schon seit Jahren.

GB: Von wem wirst Du ihn bauen lassen? 

Al: Das ist schon gemacht. Ich bekomme ihn in ein paar Monaten, er wird von Boosey and Hawkes gebaut. Das Instrument ist schon fast fertig. Es ist wundervoll.

GB: Zurck zum B1-D Pickup, es scheint, als h„ttest Du damals fl”ten- oder horn„hnliche Kl„nge bevorzugt.

Al: Ja, das war wegen dem Tracking, weil das einfacher ging.

GB: Sprach der Tonabnehmer mehrheitlich gut auf den bundlosen Bass an?

Al: Ja, hat er. Ich hatte auch den Peavey Midi-Bass.

GB: Ja, die sind mit einem Knall herausgekommen und dann einfach verschwunden!

Al: Weil sie sich nicht verkauften. Ich hatte ber fnf Jahre einen und fand ihn grossartig. Aber die Produktion wurde gestoppt, weil nicht gengend verkauft wurden. 

GB:Denkst Du, das war wegen der Technologie?

Al: Nein, ich glaube, die Technologie war richtig. Aber Peavey verkauft so viele Gitarren und Verst„rker, das ist eine Riesenfirma, und diese Abteilung hatte Verluste gemacht. 

GB: Hast Du auf "CALL ME AL" irgendwo Midi verwendet? Manchmal t”nt es danach, aber bei der riesigen Gr”sse der Band dachte ich, warum solltest Du? Bei siebzehn Leuten brauchtest Du wohl kein Midi, Du hattest ja schon alles zur Verfgung! 

Al: Das stimmt. Diese Platte konzentriert sich auf die Idee einer kleinen Bigband. Um es so akkustisch wie m”glich zu machen, wollte ich echte H”rner, ein echtes Piano. Aber fr das Demo und zum Komponieren benutzte ich den Midi-Bass.

GB: In Toronto gibt es eine wundersch”ne R&B S„ngerin namens Liz Tansey. Als ihr Album "What I Want" erschien, ging ich an eines ihrer Konzerte, und es war offensichtlich, dass sie eine riesige Band zusammenstellen musste, damit der volle Klang der CD herberkam. Trotz dieses hervorragenden Debutalbums war es viel zu teuer, mit einer so grossen Band wie der ihren eine gr”ssere Tour zu buchen, um den Verkauf der Platte anzukurbeln.

Al: Ja, ich kenne sie. Ich habe dasselbe Problem, keine Angst. Ich kann nicht mit einem Bl„sersatz auf Tournee gehen, da muss ich ein Keyboard nehmen. 

GB: Schade, nicht? Man kann nichts machen, und fhlt sich auch schlecht den Bl„sern gegenber, weil sie die ersten sind, die draussen sind, wenn man Kosten sparen muss.

Al: Wie wahr.

GB: Du spielst seit langem La Bella Saiten.

Al: Schon sehr lange.

GB: Warum La Bella und nicht eine andere von hunderten erh„ltlichen Saiten?

Al: Als ich damals anfing, Sechssaiter zu spielen, war das tiefe B auf dem Markt nicht erh„ltlich. Per Zufall traf ich den La Bella Vertreter hier in Quebec. Er gab mir die direkte Telefonnummer und sagte, man k”nne mir genau die Saite bauen, die ich wnschte. So hat es angefangen. Es h„tte genausogut irgendeine andere Marke sein k”nnen.

Ich rief sie an und sagte, sie sollten mir ein tiefes B herstellen. Sie schickten mir ein paar Muster, wir trafen uns und sie boten mir einen Ausrstervertrag fr die Saiten an. Ich mochte die Saite, aber wir haben verschiedene Modelle weiterentwickelt. Wir arbeiten noch immer an verschiedenen Modellen fr sie. 

GB: Also spielst Du nicht einfach eine Saite, weil Du sie gratis bekommst. Es ist wie mit den F-B„ssen, Du mischst aktiv bei der Entwicklung der Produkte mit. Du hilfst ihnen, und sie helfen Dir. 

Al: Ja, ich brauche und will keine Gratissaiten. So ist es auch mit den EDEN Verst„rkern. Ich bentze ihren Navigator Vorverst„rker. Ich weiss nicht, wie viele Boxen David Nordshow, der Besitzer der Firma, mir schon zum Testen geschickt hat. Ich sage ihm immer, "Nein, das ist nicht gut, das ist gut, das ist besser". Als er den Navigator entwickelte, schickte er mir eine Liste mit den Dingen, die ich in einem Vorverst„rker haben wollte, deshalb will ich mit diesem Unternehmen zusammenarbeiten.

Aber ich mache auch immer mehr mit Roland. Ich arbeite schon seit Jahren mit Roland zusammen und berate sie, gerate aber mehr und mehr auch in andere Roland-Produkte fr Bass. Es wird sehr interessant, aber mehr kann ich darber zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. 

Auf meiner letzten Platte habe ich ihr Digital Board verwendet, das war unglaublich. Es ist ein 24-Bit mit onboard Effekten, der A in D (analog in Digital-Editor) Konverter t”nt unglaublich, es t”nt warm und fett. Es ist wirklich unglaublich, ich habe das Ding jetzt in meinem Studio!

GB: Wrdest Du sagen, Du hast ein sehr differenziertes Geh”r, ein genaues Gefhl dafr, was gut t”nt und was nicht?

Al: Das weiss ich nicht, aber ich kann zwischen Frequenzen unterscheiden. Wenn David (Eden) mich anruft und mir eine Lautsprecherbox schickt, kann ich ihm sagen, ob da zu viel von diesem oder eine Resonanz in jenem Bereich ist oder ein Tweeter anders t”nt.

GB: Mit jemandem wie Dir ist so eine Firma natrlich gut bedient und kann tausende von Dollars sparen dank Deinem guten Ohr und Deiner langen Erfahrung, durch die sie nicht Boxen mit irgendwelchen Rensonanzen oder Brummen in Serie geben. Sie sind auf Deine Erfahrung angewiesen.

Al: Darum wollen sie auch mit mir zusammenarbeiten, und ich andererseits auch mit ihnen.

GB: Es ist sch”n, wenn man ernst genommen und respektiert wird, nicht? 

Al: Du kannst nicht verlangen, ernst genommen zu werden. Das passiert einfach. Wenn Du jemanden bitten musst, Dir Respekt entgegenzubringen, ist es vielleicht schon zu sp„t. 

GB: Dieses Lied "The F File" auf Deinem neuen Album, spielst Du da auf die "X Files" an oder ist es ein Ausdruck Deiner Liebe zu Furlanetto B„ssen?

Al: Nein, es ist einfach doof. Eigentlich habe ich es nach den X Files benannt, aber wenn ich Musik komponiere, schreibe ich am Computer im Q-Base und benutze immer eine Partitur. Dann speichere ich die Songs in Dateien und dieses Stck war in der Funk-Datei. Das war eben das F-File.

GB: Hast Du je versucht, auf dem bundlosen Bass zu slappen?

Al: Ich glaube nicht, dass das gut t”nt auf einem unbundierten Bass. Weil die Saite auf eine lange, flache Holzoberfl„che schl„gt, entsteht ein dnner, leiser Klang. Ich mag das nicht. Wenn ich slappe, dann nur auf dem bundierten Bass. 

GB: Wolltest Du je mehr als Sechssaiter spielen, vielleicht 7-Saiter oder so?

Al: Nein, ich glaube nicht, das das etwas fr mich w„re. Ich brauchte lange Zeit, bis ich mich auf dem Sechssaiter wohlfhlte. Ich m”chte mich im Moment lieber im kompositorischen Bereich weiterentwickeln.

GB: Warum dann berhaupt Sechssaiter?

Al: Ich wollte mehr M”glichkeiten bei der Spielposition haben. Und einen weiteren Bereich! Als Gino Vanelli mit seinem Bass-Synthesizer in der Szene auftauchte, wollte ich auch dieses tiefe B haben. 
Ich wollte die tieferen T”ne und, da ich auch ein guter Solist werden wollte, auch den h”heren Bereich, ohne die ganze Zeit in der obersten Lage spielen zu mssen. Ich wusste schon lange im Voraus, dass ich einen Sechssaiter wollte.

GB: Hattest Du auch schon Streit mit Gitarristen, die Dir sagten, "Du bist kein Gitarrist! Bleib aus meinem Bereich"?
Al: Ja klar, aber wenn ich Bass spiele, spiele ich Bass. Wenn ich soliere, soliere ich. Vor- und Zurcktreten. Bei meinen Clinics sage ich immer als erstes "Wenn Ihr hierhergekommen seid um solieren zu lernen, kann ich Euch ein paar gute Tricks zeigen, aber zuerst msst Ihr es geniessen, ein Bassist zu sein. Dies ist die erste Frage, die Ihr Euch stellen msst: Will ich ein Bassist sein? Weil ein Bassist eine Rolle erfllen muss. Um einer Band harmonisch und rhythmisch dienlich zu sein, musst Du der Vater der Band sein. Wenn Du diese Rolle nicht ausfllen willst, bist Du kein Bassist."
Es ist einfach die Frage, ob man Arrangements und Komposition versteht. Wenn Du schreibst, verstehst Du die tragende Rolle des Basses. 

GB: Ich m”chte auch Deine Meinung zum folgenden Punkt wissen. Ich habe das bereits Dann Glenn, Chuck Rainey und Jeff Berlin gefragt und m”chte nun auch Deine Meinung dazu h”ren. Findest Du, dass die Tabulatur einen Platz, eine Gltigkeit hat neben der klassischen Musiknotation?

Al: Ich bin auch dagegen (die Tabulatur). Es hat lange Zeit gebraucht, die Notenschreibweise in der Musikwelt zu entwickeln und international zu verbreiten, damit Musiker aus aller Welt gemeinsam spielen, sich musikalisch miteinander unterhalten k”nnen. Das ist international, und es funktioniert! Ich denke, das sollten wir nicht „ndern. 

GB: Wir haben am Anfang des Interviews ber die universelle und internationale Sprache der Musik gesprochen, und wie ein Grossteil des Erfolges von UZEB darauf basiert, dass Ihr keine Texte hattet, kein Englisch, kein Franz”sisch, keine Grenzen. Die Beschr„nkung der Tabulatur liegt in ihrer Unf„higkeit, ber sie mit anderen Instrumenten in einer Gruppe zu sprechen. 

Al: Ich bin ganz Deiner Meinung!

GB: In Deinem neuesten Album hast Du auch Loops bentzt, ein abenteurlicher Schritt. War es das erste Mal, dass Du diese Technik angewendet hast? 

Al: Nein. Wir haben bei UZEB schon in den 80er Jahren Loops verwendet.

GB: Ein Song auf diesem Album namens 'SECRETS' ist nur mit Stehbass, akkustischem Klavier, Cello und einer weiblichen Gesangsstimme. Das Cello und die Stimme sind von einer jungen Dame namens JORANE. Erz„hl uns doch bitte ein wenig von ihr.

Al: Sie ist eine grossartige S„ngerin und Cellistin, die einzige, die ich kenne, die beides gleichzeitig kann! Sie hat zwei grossartige Platten herausgegeben.

GB: Wurdest Du je angefragt, mit jemandem ein Duett zu spielen, zum Beispiel mit Michael Manring, der ja auch ein Meister des bundlosen Basses ist?

Al: Ich habe eine Bassplatte gemacht namens BASSE CONTRA BASSE ('Bass und Kontrabass'), die ist auf meinem Plattenlabel erschienen, NORAC Records. Ich wrde gerne mal wieder ein Duett machen, jedoch nicht zwangsl„ufig mit einem Bass. Aber ich kenne Michael sehr gut und geniesse seine Art zu spielen.

GB: Ich habe Dir jetzt die ganze Zeit zugeh”rt und irgendwie das Gefhl gekriegt, dass Quebec mehr gewillt ist, seine Knstler zu f”rdern als der Rest von Kanada. 

Al: Ich glaube, wir sind einfach besser organisiert. Ich meine, schau mal das Montreal Jazz Festival an, das gr”sste Festival, auf dem ich je gespielt habe. N„chste Woche muss ich nach Quebec City wegen eines Anlasses namens Le Rideau, da treffen sich alle Festival-Manager, um ihre Veranstaltungen zu organisieren. Ich stelle dort meine Show vor, um auf Quebec-Tournee zu gehen. 

Darum denke ich ist es besser organisiert. Alle Jazz Festivals in Kanada sollten sich zusammenschliessen, damit ein Knstler nicht nur an einem, sondern vielleicht an allen Festivals spielen kann.

Ich habe jahrelang versucht, berall in Kanada zu spielen, aber es ist so schwierig. Es ist so kompliziert, es ist einfacher, nach Europa zu gehen. Ich habe ein festes Einkommen in Europa, denn ich gehe jedes Jahr mehrmals fr eine einmonatige Tournee rber. Da ist eine Organisation vorhanden, die es in Kanada nicht gibt.

Da ist keine Kommunikation zwischen Toronto und Montreal, und noch weniger zwischen Vancouver und Montreal!



Wenn Du Alain's Musik nicht kennst, warum surfst Du nicht auf seine Website? Du findest die URL Adresse am Ende dieses Artikels. H”r mal in ein paar Songs von seinem neuesten Album und anderen rein. Wenn Dir gef„llt was Du h”rst (und wenn Du ein Fretlessbass-Liebhaber bist, besteht durchaus die Chance) dann kannst Du die CD's direkt von seiner Homepage bestellen. 
Untenstehend findest Du eine komplette Diskographie von Alain's Karrierre mit UZEB sowie seine 4 Soloalben. Er hat auch auf den Platten von anderen Leuten gespielt, mehr darber und andere spannende Informationen findest Du auf seiner Website auf:

AlainCaron.com
Zehn Alben mit UZEB: 
Live in Bracknell `81
Fast Emotion `82
You Be Easy `84
Between the Lines `85
Live a l'Olympia `86
Absolutely Live `86
Noisy Nights `88
Live in Europe `88
UZEB Club `89
World Tour `90

Video's 
UZEB 86~90
60 rue de Lombards
Noisy Nights
UZEB Club

Soloalben bis dato 
92/93 His first with Le Band
95 Also with Le Band
97 PLAY
2000 Call Me Al

Und die Neuauflage der UZEB World Tour und The Best of UZEB auf Les Disques NORAC 
See the Alain Caron page at BassStuff Online

Edith Hofmann

 



 

                    

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Last modified: June 16, 2009